Lunik: Konzert im Volkshaus Biel

Bilder des Konzertes von Lunik vom 24. November 2006. Link zu der Diashow.

Lunik wurde 1998 von Adi Amstutz, Luk Zimmermann, Mats Marti, Walo Müller und Anton Höglhammer gegründet. 1998 kam die SängerinJaël“ Rahel Krebs zur Band hinzu, Anton Höglhammer verließ die Band. Ein Jahr später erschien das erste Album Rumour, das stilistisch im Bereich Trip Hop angesiedelt wird.

Nach der dazugehörigen Tournee entscheidet sich Walo Müller (Bass) die Band zu verlassen. Mit dem zweiten Album Ahead machte Lunik einen großen Schritt in Richtung Pop. Live wurde die Band von Oli Müller (Bass) unterstützt. Adi Amstutz verließ die Band und wurde nicht durch ein neues Mitglied ersetzt. Anstelle von Elektronik, setzten Jaël, Luk und Mats vermehrt auf akustische Klänge und veröffentlichten Weather. Auf der weather-Tour und ebenso auf der darauffolgenden Akkustiktour wurden sie von Cédric Saurer (Keys) und Jacob Suske (Bass) unterstützt. 2004 erschien das Live-Album Life is on our Side. 2005 wurden Jacob Suske und Cédric Saurer, welche Lunik schon längere Zeit bei Live-Auftritten durch die Schweiz, Österreich und Deutschland unterstützten, als definitive Bandmitglieder aufgenommen. Gleichzeitig verließ Schlagzeuger Mats Marti die Band. Anfang 2006 stiess Chrigel Bosshard als neuer Drummer zu Lunik.

Das vierte Studio-Album Preparing To Leave erschien im September 2006 und stieg auf Platz 1 der Schweizer Albumcharts ein. Außerdem erhielt das Album nach wenigen Wochen Platin- Status, was in der Schweiz mind. 30 000 verkaufte Platten bedeutet! Die erste Single daraus, „little bit“, erschien im Sommer 2006.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Lunik_(Band)

Bieler Tagblatt vom 23.11.2006, Ressort Agenda

Lunik im Volkshaus Biel
Die Berner Band Lunik ist mit «Preparing to leave» auf Tour. Morgen stellen sie ihr neues Album im Volkshaus in Biel vor.
mt. Für unbedachte Sprünge sind Lunik nicht zu haben; behutsam hat die Berner Formation rund um die charismatische Frontfrau Jaël an ihrer Karriere gearbeitet. Die Geduld zahlt sich langsam aus, nicht nur in ihrer Schweizer Heimat, wo Lunik spätestens seit dem vorletzten Studioalbum «Ahead» – ihrem Zweitling – zur Topliga gehören. Mit der Single «Little Bit» und dem dazu gehörigen Videoclip machen Lunik beste Werbung fürs neue Album «Preparing To Leave».
Vieles mag auf den ersten Blick neu erscheinen bei Lunik – neues Management, neue Bookingagentur und im Besonderen die neue Formation: Frontrau Jaël und Gitarrist Luk Zimmermann werden von Bassist Jacob Suske und Pianist Cédric Monnier verstärkt, welche seit Jahren mit ihnen als Livemusiker unterwegs waren. Mit Chrigel Bosshard konnte auch ein neuer Schlagzeuger gefunden werden. Doch Lunik sind in all den Jahren ihres Erfolgs unbeirrbar ihren Weg gegangen. Für unbedachte Sprünge sind sie nicht zu haben, Qualität liegt der Band aus der Hauptstadt Bern am Herzen. Der Versuchung, schnellen Erfolg zu haben, ohne sich dabei treu bleiben zu können, haben Lunik zum Glück widerstehen können. Lieber arbeiten sie in aller Ruhe und mit dem richtigen Team im Hintergrund an ihren betörenden Popsongs, in denen immer wieder mal die Liebe zum Sphärischen und Hymnenhaften durchschlägt. Früher waren Luniklieder mit TripHop-Zitaten angereichert, heute dürfen sie auch mal ganz schön rockig daherkommen. Dass die Band auch beschwingte Popsongs aus der Feder zaubert, haben Lunik mit «The Most Beautiful Song» bewiesen, einem schimmernden Popdiamanten aus dem letzten Studioalbum «Weather», das der Band den endgültigen Durchbruch in der Schweiz bescherte und auch in Deutschland für einiges Aufsehen sorgte.

Bieler Tagblatt vom 11.11.2006, Ressort Samstagsmagazin

«Die Freude an der Traurigkeit»
Die Bernerin Jaël, Sängerin der Band «Lunik», steht übernächsten Freitag auf der Bühne des Bieler Volkshauses. Ein Gespräch über ehrfürchtige und anmassende Fans, den Beruf Musikerin und «die Ferienstimmung in Biel.»
Interview: Peter Bader

Jaël, bei «Google» gibts für «Jaël und Lunik» 28 000 Treffer, für «Kuno Lauener» halb so viele. Macht Sie das stolz?

Jaël: (lacht) Nein, nicht wirklich. Finden Sie das denn wahnsinnig erstrebenswert?

Für «Peter Bader» gibts 2 110 000, aber nur eine Handvoll über mich selber. Ich kann also nicht mitreden.

Ich bin eine Person in der Öffentlichkeit und dann gehört das dazu. Im Übrigen habe ich das Gefühl, dass sehr viele dieser Treffer von einer Aufnahme herrühren, die ich einmal mit einer kanadischen Band gemacht habe. Ich bilde mir also nicht sehr viel darauf ein, Kuno Lauener im Internet geschlagen zu haben.

Weil Sie von Mundartrock ohnehin nicht so viel halten?

Das kann man so nicht sagen. Ich habe einfach Mühe mit dem aktuellen Trend, dass manches nur im Radio gespielt wird, weil es Mundart ist, obwohl es überhaupt nicht gut gemacht ist, mit schlechter Musik und schrecklichen Texten.

Zum Beispiel?

Es ist nicht schweizerisch, über andere herzuziehen (lacht).

Fangen Sie damit an.

Nein, dazu bin ich zu wenig «Revoluzzer». Ich mag ja auch Mundartmusik, ZüriWest zum Beispiel. Mit Mani Matter bin ich gross geworden. Seine Sprachakrobatik finde ich noch heute grossartig, im Film, den es über ihn gab, habe ich nur geweint – er rührt mein Herz an.

Warum singen und texten Sie denn in Englisch?

Natürlich ist das schwierig, aber Texte in Mundart zu schreiben stelle ich mir auch nicht einfach vor. Wenn ich die Idee für einen Text habe, dann formuliere ich das automatisch in Englisch. Ich habe früh englische Musik gehört und mitgesungen – in jungen Jahren auch mal in atemberaubendem «Chuder-Englisch». So habe ich aber schon früh viel von der Sprache gelernt. Ich liebe sie einfach, vor allem den britischen Akzent, dem könnte ich stundenlang zuhören, der macht mich glücklich (lacht).

Sie waren mit Ihrem neuen Album auf Platz eins der Schweizer Hitparade. Wie haben Sie gefeiert?

Mit Champagner bei meinen Eltern. Meine Mutter hatte ihn schon kalt gestellt, weil sie mit dem ersten Platz gerechnet hatte. Sie ist optimistischer als ich. Natürlich war das toll, aber überbewerten möchte ich das Ganze nicht. Noch fast wichtiger ist mir, dass wir nach wie vor ziemlich weit vorne platziert sind. Das heisst, dass die Leute nicht nur in den CD-Laden gerannt sind und sie ungehört gekauft haben. Sie hat Bestand und darauf bin ich stolz.

In der «Berner Zeitung» war zu lesen, dass «Jaëls kraftvolle, wandelbare und warme Stimme sie um Lichtjahre vom Gros der Popsängerinnen abhebt und die vielen hübschen Lunik-Melodien erst so richtig zum Leuchten bringt.» Hebt man da ab?

(lacht) Nein, lieber nicht, ich habe Angst vor dem Fliegen. Ich mache das ja jetzt schon seit acht Jahren und habe inzwischen schon ganz, ganz viele Journalisten getroffen und gemerkt, dass es auch nur ganz normale Menschen sind, die ihre persönliche Meinung und keine allgemeingültige Wahrheit kundtun. Ich halte mich selber auf dem Boden, versuche nie himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt zu sein. Aber natürlich freut mich positives Feedback. Es bedeutet, dass meine Arbeit Sinn macht und ich den Leuten etwas geben kann.

Auf der anderen Seite: Schmerzt es nicht doch ein bisschen, wenn in der «Weltwoche» zu lesen ist, dass Lunik die Gesichtslosigkeit in Kauf nehme, um ins Radio zu kommen? Das ist ziemlich hart.

Es verletzt mich nicht, aber ich kann es nicht verstehen: Warum muss hinter erfolgreicher Musik immer Berechnung stehen? Die schönen Melodien kommen aus mir heraus, weil sie mir schlicht und einfach gefallen und nicht weil ich glaube, dass ich damit erfolgreich sein werde. Das ist doch absurd. Viel mehr Mühe habe ich, wenn ich etwas höre und denke: Ouh, da hat jemand versucht, sehr originell und speziell zu sein, und dabei vergessen, einen schönen Song zu machen. Wir wollen nicht die Musik neu erfinden, sondern das machen, was uns gefällt.

In Ihrer Musik steckt viel Melancholie. Traurigkeit, sagen Sie, sei ein schönes Gefühl. Tatsächlich?

Ich finde schon, ja. Man ist dann viel näher bei sich selber und hat die Chance, an Gedanken und Gefühle heranzukommen, die man nicht erreicht, wenn man super zufrieden mit Freunden essen geht und alles gut ist – was natürlich auch schön sein kann. Ich bin gerne nachdenklich, setze mich hin und grüble.

Über was denn?

Über alles, über den Sinn des Lebens bis hin zu meinen Zukunftsplänen.

Welche Antworten finden Sie?

Gar nicht so viele, dafür viele gute Songs (lacht). Es ist doch wichtig für eine Künstlerin oder wie immer ich mich bezeichnen soll, dass sie sich differenziert mit dem Leben auseinandersetzt, dass sie nicht nur von den schönen Dingen des Lebens singt: Meine Mutter hat mich gern, das Wetter ist schön, trallalla, das interessiert doch niemanden. Es gibt eine schöne Szene im Film über Johnny Cash. Er geht ganz am Anfang zum Vorsingen bei einer Plattenfirma und spielt mit seiner Band Gospels und Blues. Der Typ von der Plattenfirma sagt ihm: «Das habe ich alles schon gehört. Erfolgreich bist du, wenn du einen Song schreibst und dich dabei fühlst, wie wenn du im Strassengraben liegst und ganz am Ende bist.» Es interessiert und berührt die Leute, wenn sie in der Musik auch dunkle Gedanken antreffen, die ihnen selber nicht fremd sind. Das verbindet Menschen, das gibt magische Momente während den Konzerten.

Im Strassengraben liegen Sie selber nun nicht gerade. Aber wie dunkel sind denn Ihre Gedanken?

Manchmal ziemlich dunkel, manchmal sehr hell. Aber ich bin nicht der Typ, der sich von der Brücke stürzt. Dafür geht es mir grundsätzlich viel zu gut.

Welches sind Ihre glücklichen Momente?

Wenn ich singe, auf der Bühne oder im Übungsraum, wenn ich eine CD mache und einen Plan, ein klares Ziel vor Augen habe. Wenn ich von weit weg nachhause komme, zu den Leuten, die ich mag.

Hat es Sie immer auf die Bühne gedrängt?

Am Anfang hatte ich Mühe damit. Ich musste das lernen, so wie man einen Beruf erlernt. Auf den Fotos unserer ersten Tour habe ich praktisch immer die Augen geschlossen, wende mich ab von den Leuten, mit einer Hand am Ohr, damit ich mich selber höre in mir drin. Heute gehören Auftritte zu meinem Berufsalltag, ich muss mich auf der Bühne vor nichts mehr fürchten, weil schon so viel passiert ist: Ich habe schon den Text vergessen, die Gitarre ist mir runtergefallen, ich bin gestürzt…

…ah ja?

Ja, in St. Gallen am Openair, vor wahnsinnig vielen Leuten bin ich ausgerutscht. Das Konzert ging trotzdem zu Ende, nichts ist passiert.

Sie sind Vorbild für viele junge Leute. Sind Sie es gerne?

Das empfinde ich bis heute als sehr schwierig. Es gibt Leute, die mit ihren Problemen zu mir kommen, aber psychologische Beratung kann ich nicht anbieten, das überfordert mich. Ab und zu schreiben mir auch solche, denen es wirklich sehr schlecht geht: Denen schreibe ich schon mal zurück und rate ihnen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Aber grundsätzlich kann ich nicht mehr geben als meine Musik. Ich kann mich ja nicht jede Woche mit drei Fans treffen, obwohl ich mitunter eine sehr hohe Erwartungshaltung spüre, im Sinn von: «Dieser Song passt aber doch genau zu meiner Situation und du hast ihn für mich geschrieben und ich muss dich unbedingt treffen». Ich kann diesen Wünschen nicht nachkommen, aber es fällt mir nach wie vor schwer…

…haben Sie ein schlechtes Gewissen?

Ja, manchmal schon. Aber diese Begegnungen wären wohl für beide Seiten sehr unangenehm. Ich erlebe das manchmal nach den Konzerten: Es fällt manchen schwer, mit mir als ganz normalen Menschen zu sprechen. Ihre Hände zittern vor lauter Ehrfurcht oder glauben mich schon sehr gut zu kennen und sind sehr kumpelhaft. Es ist wirklich schwierig…

…sie abzuwimmeln?

(leicht genervt) Nein, ich will sie doch nicht abwimmeln. Wenn mich die Leute grüssen wollen, dann grüsse ich sie selbstverständlich sehr freundlich, versuche ihnen zu zeigen, dass ich ein ganz normaler Mensch bin und es mich sehr freut, dass ihnen meine Musik gefällt. Aber das ist es dann auch. Mehr kann ich nicht geben. Ich bin Musikerin, nicht Lebensberaterin.

Sie gehen in Deutschland und Österreich auf Tour, ziehen mit dem Bus durchs Land und wenn man Chris von Rohr und Krokus glauben darf, geht es auf solchen Touren manchmal hoch zu und her. Bei ihnen auch?

Eher nicht so, nein, wir haben keine kreischenden Groupies vor dem Hotel und keiner schnupft Koks. Natürlich trinken wir gerne ein Glas Wein oder ein oder zwei Bier, aber ansonsten sind wir dafür viel zu grosse Gesundheitsfreaks. Gekifft habe ich als 19-Jährige, habe es aber dann gelassen, weil es mir nicht gepasst hat. Ich könnte auf einer Tour ohnehin nicht rauschende Feste feiern und am nächsten Tag auf der Bühne stehen. Das würde ich nicht durchstehen.

Keine Laster?

(überlegt, lacht dann) In jedem Fall keine, die ich den Lesern des «Bieler Tagblatts» mitteilen möchte.

Mitte November gastieren Sie nun in Biel. Ihre Mutter ist hier aufgewachsen. Welchen Bezug haben Sie zur Stadt?

Meine Cousine lebt noch hier, ich besuche sie oft. Als Kind war ich bei meinen Grosseltern zu Besuch, dann gingen wir ins Carrefour, auf den Twannberg, in den Seeteufel. Heute treffe ich mich mit einer Kollegin aus Basel in Biel und dann gehen wir wandern, am Bielersee, in den Reben oder auf der St. Petersinsel. Biel ist für mich also Erholungsort, hier verspüre ich Ferienstimmung, geniesse den welschen Charme.

Haben Sie Angst davor, der Erfolg könnte ziemlich schnell vorbei sein?

Selbstverständlich. Aber jeder kennt doch diese Existenzängste…

…im Musikbusiness kann es vielleicht ein bisschen schneller talwärts gehen. Was tun Sie dann? Wieder als Lehrerin arbeiten?

Ganz sicher nicht. Ich habe mir selber nie genügt, war nach jeder Stunde frustriert, machte mir Vorwürfe, weil der eine unterfordert oder die andere überfordert war. Das hätte ich auf die Dauer nicht ausgehalten. Aber so weit schaue ich gar nicht voraus. Jetzt machen wir erst mal diese Tour fertig, dann schauen wir weiter. In die Ferne zu planen, ist nicht so mein Ding.

Rahel Krebs
Rahel Krebs, 27, wächst in Bern auf und lässt sich zur Primarlehrerin ausbilden. Ihr Künstlername «Jaël» rührt daher, dass sie als Kind ihren Vornamen nicht richtig aussprechen konnte.
Nach Abschluss der Ausbildung setzt sie voll auf die Karte Musik. Als 19-Jährige stösst sie zur Band «Lunik». «Preparing to leave», das fünfte Album des Quintetts, stösst erstmals an die Spitze der Schweizer Albumcharts vor. Jaël bezeichnet sich selber als «leidenschaftliche Kino- und Theaterbesucherin».
Konzert in Biel: Fr., 24.11., im Volkshaus.www.Lunik.com / www.jaelonline.com (bad)

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